Burgen projekt

Burgen im Dreiländereck – Alte Gemäuer erzählen Geschichte und verbinden uns: Malbrouck und Montclair Ein „grenzenloser“ Spaziergang mit Schülern durch das Dreiländereck __ Châteaux au cœur de l’Europe – Les vieilles pierres nous racontent notre histoire commune et nous unissent : Malbrouck et Montclair Une promenade « infinie » avec des élèves à travers le Pays des Trois Frontières Zeichnungen/ Dessins : E.Kirch, S.Lehr Fotos/ Photos : S.Belkahla, A.Bender-Rauguth, L.Engelbert, E.Jänicke, A.Schirra Technische Hilfe/ Assistant technique : J.-P.Pleyer Herausgeber/ Editeur : Deutsch-Französisches Gymnasium in Saarbrücken en collaboration avec le Collège Charles de Gaulle de Sierck-Les-Bains.

Qui sommes-nous ? / Wer sind wir? Die AG „Europa 2001/2002“: Mit Freu(n)den Sprachen lernen“ des Deutsch-Französischen Gymnasiums Saarbrücken stellt sich vor Im Schuljahr 2001/ 2002 haben wir, eine Gruppe von Schülern der Klassen 6b und 7a des Deutschfranzösischen Gymnasiums in Saarbrücken, im Rahmen einer freiwilligen Arbeitsgemeinschaft unter Leitung unserer Französischlehrerin, Frau Jänicke, an dem vom Saarländischen Kultusministerium und der Académie Nancy-Metz ausgeschriebenen Sprach- und Kulturwettbewerb „Mit Freu(n)den Sprachen lernen“ teilgenommen. Gemeinsam mit SchülerInnen einer 5e unserer lothringischen Partnerschule, des Collège Charles de Gaulle in Sierck-Les-Bains, und ihren Deutschlehrern, Herrn Engelbert, Herrn Lentgen und Frau Kieffer haben wir an folgendem Projektthema gearbeitet: „Burgen im Herzen Europas – Alte Gemäuer erzählen Geschichte und verbinden uns: Die Burgen Malbrouck und Montclair – Ein „grenzenloser“ Spaziergang mit Schülern durch das Dreiländereck“. Mit unseren französischen Korrespondenten aus Sierck fand ein regelmäßiger Austausch statt: Gemeinsam besichtigten wir Sierck-Les-Bains, Saarbrücken, die „Steine an der Grenze“ und natürlich mehrfach die beiden Burgen, deren Geschichte und Gegenwart den Schwerpunkt unser gemeinsamen Forschungen darstellten. Die deutsch-französischen bzw. saarländisch-lothringischen Treffen haben uns sehr viel Spaß bereitet. Gemeinsam haben wir uns mit unserer kulturellen Vergangenheit beschäftigt und allmählich immer besser verstanden, dass just die gemeinsame Vergangenheit das Saarland mit Lothringen bis heute verbindet und uns auch heute noch prägt. 2 Dass wir „nebenbei“ viel Französisch gesprochen haben und unseren Wortschatz aufgrund der Beschäftigung mit den Themen „Burg“, „Mittelalter“ und „Deutsch-Französische Grenzgeschichte“ enorm erweitert haben, versteht sich! Lassen auch Sie sich begeistern und begleiten Sie uns bei unserem „grenzenlosen“ Spaziergang durch Geschichte und Gegenwart des Dreiländerecks!

 

La Lorraine : une région franco-germanophone Pour bien comprendre notre passé commun, il faut remonter dans le temps jusqu’à l’époque de Charlemagne, à son empire, puis examiner la carte montrant le partage de l’empire en 843 et nous situer dans cet ensemble. l’empire de Charlemagne le partage de l’empire en 843 Carte de la France à la fin du Xe s. Notre région est en dehors, c’est-à- dire dans l’empire germanique. A) Charlemagne constitue un Empire d’Occident qui s’étend des Pyrénées à l’Elbe. Il est couronné empereur en 800, établit sa capitale à Aix-la-Chapelle (Aachen) et organise une administration efficace et centralisée. B) Louis le pieux, fils de Charlemagne, est un souverain faible et influençable, incapable de maintenir la puissance et l’unité de l’empire carolingien. Ses trois fils, Charles le Chauve, Louis le Germanique et Lothaire, après bien des querelles, se partagent l’empire en 843 par le traité de VERDUN. C) Le Saxon Otton, élu roi de Germanie en 936, est un souverain puissant. Il arrête les envahisseurs hongrois, annexe la Lorraine et une partie de la Belgique et conquiert le royaume d’Italie. Il propage le christianisme et est couronné empereur par le pape à Rome en 962. Il a reconstitué l’empire de Charlemagne (à l’exception de la France). 11 Inszenierung der Vergangenheit im Dreiländereck am Beispiel der Burg Malbrouck von Eva Jänicke Wenn man heute bei Nennig die Brücke über die Mosel und die deutsche Staatsgrenze überquert, wechselt die Beschilderung der Straßen abrupt. Plötzlich haben die Orte sprachlich seltsam gemischte Namen. Vielleicht ist im Saarland die Atmosphäre ähnlich multikulturell gewesen, bis sich die dortige Bevölkerung bei der Abstimmung 1955 dafür entschied, als Nachzügler in die föderale Gemeinschaft westdeutscher Bundesländer einzutreten und damit ein Stück ihres ureigenen Mentalitätsgemischs aufzugeben. Im Fürstentum Luxemburg westlich der Mosel wirken die landestypischen Eigenheiten dafür um so deutlicher. Neben den Sprachen der Nachbarländer wird dort auch der eigene Dialekt gepflegt, das „Lëtzeburgesch“, eine besondere Ausprägung des Moselfränkischen. Ähnlich multilingual erlebt der Besucher einige Autominuten entfernt das an Luxemburg und das Saarland angrenzende Lothringen, in dem viele Straßenschilder Zeugen einer germanophonen Geschichte sind. Zwar wird in Lothringen mittlerweile zunehmend nur noch Französisch gesprochen, doch beherrschen viele Bewohner, überwiegend die ältere Generation, noch den „pâtois“, einen germanophon geprägten lothringischen Dialekt. In unmittelbarer Nähe der deutsch-französischen Grenze, außerhalb des Dorfes Manderen auf einem hundert Meter hohen Hügel gelegen, blickt eine der schönsten Burgen Lothringens in die Landschaft, eine Ritterburg wie aus dem Bilderbuch! Es ist die einzige mittelalterliche Höhenburg des Départements Moselle. Sie besitzt gleich drei verschiedene Namen: Malbrouck, Marlborough oder Meinsberg. Zwischen 1419 und 1434 errichtet, war die kolossale quadratische Anlage nach ihrer Zerstörung in der Französischen Revolution und durch Bombardements im Zweiten Weltkrieg sowie durch Zerstörungen (z.B. der Kapelle) durch einige ihrer kunstignoranten Bewohner lange Zeit die größte Ruine Frankreichs und gleichzeitig das einzige lothringische Schloss aus dem fünfzehnten Jahrhundert. 1975 erwarb das Land den Besitz und plante den Wiederaufbau. Es sollte das zweitgrößte, jemals in Frankreich in Angriff genommene Rekonstruktionsvorhaben werden. Erst 1998 konnte die Burg der Öffentlichkeit wieder zugänglich gemacht werden. Achtzig Prozent der Bausubstanz, die man heute sieht, wurden den erhaltenen Resten hinzugefügt, um Schloss Malbrouck in seiner „alten“ Form entstehen zu lassen. Heute strahlt das Schloss wieder in neuem Glanze. 12 Umgerechnet fast zwanzig Millionen Euro kostete das von der Europäischen Union großzügig unterstützte Unterfangen. Diese bestimmte durch ihre in der „Charta von Venedig“ festgeschriebenen Richtlinien auch, dass die Neubauteile durch die Wahl der Baustoffe kenntlich gemacht werden sollten. Im Inneren regiert daher der Sichtbeton, z.B. im neu errichteten Theater- und Kongresssaal, der sich zwar kaum mit dem mittelalterlichen Gestus der wiedergewonnenen Zwingburgenform verträgt, wohl aber mit dem integrierten Behindertenaufzug. Die keck vorgetragene, gebrochen rekonstruierte Authentizität verbindet sich in Malbrouck mit der Tendenz, touristische Attraktionen in ein umfassenden „Eventkulturkonzept“ einzuspannen. Eine spektakuläre Audiovisionsschau erinnert an die Erbfolgekriege Ludwigs XIV. Regelmäßig finden auf der Burg nicht nur die berüchtigten mittelalterlichen Gelage, sondern auch Discos oder HalloweenPartys statt. Bisweilen wird sogar der Schlosshof mit Sand aufgefüllt, die Jugendlichen aus den umliegenden Dörfern treffen sich dann zum Beach-Volleyball. Und in der Dauerausstellung wird eine postmoderne Variante des berühmten französischen „Son et lumière“ in regelmäßigen Abständen zum besten gegeben. Im Mittelpunkt steht dabei der Comte de Marlborough, den besonders die französischen Kinder aus dem Lied „Malbrough s`en va-t-en guerre“ kennen und dem die Burg einen ihrer drei Namen verdankt. Übrigens: Von den Zinnen und Wehrtürmen von Malbrouck hat man einen herrlichen DreiländerRundblick nach Lothringen, Luxemburg und ins Saarland.